Leseprobe
Wiedersehen mit Freunden
Zwischen rotem Backstein und einer Wandleuchte aus Stahl reparierte eine Spinne emsig ihr Netz – ein ungewöhnlicher Anblick im Dezember. Vielleicht hatten die warmen Temperaturen der letzten Tage das Tier hinaus in den falschen Frühling gelockt.
Sarah löste sich von dem Treiben, strich eine Strähne ihres schwarzen Haares hinter das Ohr und drückte abermals den Klingelknopf.
Einen Augenblick später erschien ein blonder Lockenschopf in dem schmalen Fenster neben der Tür.
Sarahs Herz schlug höher. „Hi", sagte sie so cool wie möglich, als Mike die Tür aufriss. Der junge Mann würdigte sie keines Blickes. „Scheiße! Sophie, was ist passiert?!"
Hinter Sarah räusperte sich der Geist eines Teenagers, der einen halben Kopf größer und deutlich sportlicher als sie selbst war. Einige Strähnen hatten sich aus Sophies aschblond gefärbten Pferdeschwanz gelöst und fielen über die runden Gläser ihrer Sonnenbrille. Sie sah aus wie zum Zeitpunkt ihres Todes. Nur das runde Einschussloch über dem Herzen fehlte. In den trüben Strahlen der tiefstehenden Wintersonne wirkte die Erscheinung ausgeblichen. „Lange Geschichte. Können wir die drinnen besprechen?“
(…)
Leonie
Nach der Trauerfeier brachten sie Mike und Gerome zum Bahnhof. Die beiden kehrten nach Leipzig zurück, von wo aus sie am Abend ein Flugzeug nach Südafrika bringen sollte. Gerome malte und wollte dort einige seiner Bilder in einer Künstlerkolonie ausstellen, in der er einen Teil seiner Jugend verbracht hatte. Die Werke waren allesamt klein und leicht zu verstauen, meist hatte loses Papier oder eine alte Zeitung als Leinwand für die düsteren Kohlezeichnungen gedient.
Eine Stunde später fuhren Josef, Sarah und Sophie eine enge Straße entlang. Der Weg schlängelte sich durch dichten Wald hinauf zum Haupteingang des Bunkers der Schattenspieler. Sie hatten beschlossen, bei Aron und Judith nach dem Rechten zu sehen, bevor sie zu Sarahs Eltern fuhren. Sarah hatte den Schattenspieler auf keiner der ihr bekannten Telefonnummern erreicht. „Möchte wissen, was bei denen mal wieder los ist", murmelte sie und rutschte unruhig auf ihrem Sitz umher.
Sophie drehte sich auf dem Beifahrersitz nach hinten um. „Ach, du weißt doch, die werden in irgendwelchen Krisensitzungen stecken. Bei denen geht es ja immer noch drunter und drüber, seit ihr Boss tot ist."
„Hast ja recht." Sarah streckte sich und schaute zum Fenster hinaus.
Mit einem Mal bremste Josef abrupt ab.
„Hey, was ist denn los?!", beschwerte sich Sophie.
Josef deutete voraus. Zwischen den Bäumen war in einiger Entfernung ein schwaches Flackern auszumachen. „Das sind Blaulichter."
Sarah setzte sich alarmiert auf. „Verdammt, ich wusste, es stimmt was nicht!"
Auch Sophie spähte angestrengt durch das Geäst. Die Lichter waren noch zu weit entfernt, um durch die Bäume etwas zu erkennen.
Josef lenkte den Wagen in einen schmalen Waldweg, der von der geteerten Straße abzweigte. „Wir gehen den Rest zu Fuß. Ich habe keine Lust, die nächsten Stunden auf einem Polizeirevier zu verbringen und Fragen zu beantworten."
Die Mädchen nickten stumm. Sie hatten in den vergangenen Wochen mehr als genug Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
Josef ließ den Wagen den holprigen Weg entlangrumpeln, bis die Straße hinter Büschen und Bäumen außer Sicht geriet. Neben einem verschossenen Holunderstrauch parkte er das Auto.
Trockenes, totes Laub raschelte und knackte bei jedem Schritt auf dem gefrorenen Waldboden. Josef warf Sarah einen vielsagenden Blick zu. „Sophie?", fragte er leise.
„Ja?" Das Geistermädchen drehte sich zu ihm um.
„Könntest du nachsehen, was da vorne los ist? Wenn Sarah und ich weiter versuchen zu schleichen, können wir auch gleich mit Trommeln auf uns aufmerksam machen."
„Na klar." Sophie lief lautlos über das Blätterdach in Richtung der Lichter davon. Nach nur wenigen Augenblicken war sie zurück. „Da wimmelt es von Bullen. Und Rettungswagen und Feuerwehr. Keine Ahnung, was passiert ist, aber die Jungs wirken echt spaßbefreit. Haben sogar ein Zelt vor dem Bunkereingang errichtet. Von unseren Schattenspielern ist nichts zu sehen."
„Bist du in die Anlage rein?", wollte Josef wissen.
Sophie schüttelte den Kopf. „Da ist was in diesem Bunker. Etwas ... Kaltes."
Beunruhigt sahen die drei sich an.
Sarahs Blick huschte in Richtung der Blaulichter. „Wir müssen da rein und schauen, ob Aron, Judith und den anderen etwas passiert ist."
„Wir wissen nicht, was uns dort unten erwartet", gab Josef zu bedenken. „Andererseits ist das vielleicht unsere letzte Chance, Zugang zu der versiegelten Bibliothek zu bekommen."
„Ich geh vor und kundschafte die Lage im Bunker aus", bot Sophie an. „So schlimm wird es schon nicht sein."
Sarah schüttelte den Kopf. Die Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen. „Nein. Wir gehen gemeinsam. Wer weiß, was da drinnen los ist. Dein Körper mag tot sein. Wir müssen nicht auch noch deine Seele verlieren."
Kritisch beäugte Sophie ihre Freundin. „Schiss?"
Sarah nickte. „Und wie! Lass uns losgehen. Je schneller wir das hinter uns haben, desto besser."
„Durch den Haupteingang kommen wir schon mal nicht rein", stellte Sophie fest.
„Ihr habt von einer Villa erzählt, durch die ihr letztes Mal in die Anlage gekommen seid. Wäre das eine Möglichkeit?", erkundigte sich Josef.
„Die ist auf der anderen Rheinseite in Bonn." Sarah bekam jetzt noch Gänsehaut, wenn sie an den engen Gang dachte, der in einem Bogen unter dem Fluss hindurchführte.
„So weit brauchen wir gar nicht zu laufen", sagte Sophie. „Auf dieser Seite des Rheins gibt es doch mindestens zwei zusätzliche Eingänge. Einen am Fluss und einer muss hier im Wald sein."
„Ui ja. Da hat der Wind so gruselig gepfiffen." Sarah erinnerte sich mit sichtlicher Beklommenheit an ihren Marsch durch den Tunnel.
„Wir müssten darauf stoßen, wenn wir in Richtung Rhein laufen. Jetzt im Winter sehen wir ihn bestimmt zwischen den Bäumen. Wird allerdings verrammelt sein."
„Trotzdem sollten wir es dort versuchen. Das klingt wie der einfachste Weg, um unbemerkt hineinzukommen", meinte Josef.
„Du meinst, die haben den Schlüssel unter die Fußmatte gelegt?", spöttelte Sophie.
„Nee, in den Blumentopf. Sowas weiß man doch." Sarah lachte betont heiter und stapfte in Richtung Fluss davon. Von dem kalten Schweiß, der ihren Nacken hinunterlief, erzählte sie den anderen nichts.
Es dauerte keine halbe Stunde, bis sie den Eingang gefunden hatten. Es war nicht viel mehr als ein fensterloser Würfel aus rotem Backstein, dessen eine Wand vollständig von einer massiven Tür eingenommen wurde.
„Okay, jemandem hat schon vor uns die Idee gehabt, durch den Hintereingang reinzukommen", stellte Sarah fest, als sie näher kamen. Die Tür stand weit offen und gab den Blick auf eine Leiter frei, die in einen finsteren Schacht hinabführte.
„Wohl eher rauszukommen", bemerkte Sophie und deutete auf die Türklinke. An der Innenseite klebte eine dunkle Blutkruste auf dem blanken Metall.
Sarah starrte auf die Klinke. Schließlich riss sie sich los, beugte sich vor und blickte die Sprossen hinab in die Tiefe. Schon nach wenigen Metern waren die nackten Betonwände so in Dunkelheit gehüllt, dass nichts mehr zu erkennen war. Muffige Feuchtigkeit schlug ihr entgegen. „Meint ihr wirklich ...", setzte sie an, als Sophie sich an ihr vorbeischob.
„Erster!", rief das Geistermädchen und ließ sich in die Tiefe fallen.
„Sophie!", fluchte Sarah. Einige Meter unter ihr richtete das Mädchen sich auf. Ihr bläuliches Leuchten erhellte schwach die untersten Stufen der Leiter.
„Die Luft ist rein, ihr könnt kommen, ihr Schisser." Sophies Stimme klang hohl zu ihnen herauf.
„Na dann wollen wir mal", seufzte Josef. „Langfristig haben wir nur eine Chance zu überleben, wenn wir die Bücher mit den Ritualen der Seelenfänger finden. Wir brauchen das alte Wissen. Es gibt wesentlich mehr als die Schattenspieler in dieser Welt, vor dem wir uns in Acht nehmen müssen. Ich wüsste gerne, was das ist, bevor es uns anfällt." Unbeholfen setzte er einen Fuß auf die Leiter. „Pass auf, wo du hinfasst", warnte er Sarah, als sein Kopf im Schacht verschwunden war. „An den Stufen ist Blut."
Sarah rieb sich unbehaglich mit den Händen über die Oberschenkel. Sie blickte noch einmal zurück in den Wald, dann machte sie sich an den Abstieg.
Als sie den Boden des Schachts erreichte, war Sophie schon ein Stück den backsteingemauerten Gang entlanggelaufen, der sich in beide Richtungen erstreckte.
Josef hielt eine Taschenlampe in der Hand, die die Dunkelheit nur spärlich vertrieb.
Ohne Sarahs Zutun stand plötzlich Arthur neben ihr. Der Geisterhund leuchtete in dem gleichen, beruhigenden Blau wie Sophie. Aus dem tapsigen und unbeholfenen Welpen war ein riesiger Hund mit Löwenmähne geworden, ein Leonberger, der Sarah fast bis zur Hüfte reichte. Der Geist spürte die Angst seiner Herrin und hatte seine Form entsprechend angepasst. Das Tier gähnte und streckte sich. Arthur leckte Sarah über den Arm, dann trottete er zu Sophie und stupste sie mit der Nase an die Hand.
„Hey Arthie!" Sophie ging in die Hocke und wuschelte dem Hund das dichte Fell. Arthur wedelte mit dem Schwanz und drückte seinen Kopf gegen die Brust des Mädchens. Sophie kraulte das Tier hinter den Ohren und entlockte ihm ein wohliges Grunzen.
„Na, da haben sich aber zwei gefunden, was?", meinte Josef.<
„Kann man wohl sagen. Du hättest Arthur sehen sollen, als er festgestellt hat, dass Sophie zum Geist geworden ist. Der war völlig aus dem Häuschen und hat sich gar nicht wieder eingekriegt."
Sophie flüsterte dem Hund etwas ins Ohr und klopfte ihm die Flanke, dann richtete sie sich auf. „Los gehts. Wir haben ja nicht den ganzen Tag Zeit." Zügig lief das Geistermädchen den Gang hinauf in Richtung der Bunkeranlage. Arthur hielt sich dicht an ihrer Seite.
Josef und Sarah folgten den beiden in die Dunkelheit.
Je näher sie ihrem Ziel kamen, desto kühler wurde es. Blutspuren besudelten die Wände in unregelmäßigen Abständen, als hätte sich jemand schwer verletzt daran abgestützt. Am Ende des Tunnels blitzte nacktes Metall im Schein der Taschenlampe auf: eine Stahltür. Auch sie stand offen und gab den Blick in den Vorraum der Anlage frei. Drei schwere, ovale Schleusentüren, an die Sarah sich allzu gut erinnerte, führten von hier aus tiefer in den Bunker. Auf jeder befand sich mittig ein dickes Rad, mit dem sie wasserdicht gegen den Fluss verschlossen wurde.
„Lass uns nicht die mittlere nehmen", meinte Sarah düster. Unbehaglich dachte sie an ihr Zusammentreffen mit Stefan hinter genau dieser Tür.
„Bin ganz bei dir", bekräftigte Sophie und verschwand mit Arthur durch die rechte Tür.
Quer durch die Speichen des Rades ragte eine lange Eisenstange. Es ließ sich erst drehen, nachdem Josef sie herausgezogen hatte. Eisiger Wind schlug ihnen entgegen, als sie die Tür öffneten. Sarah mummelte sich tiefer in ihren Mantel und schlug den Kragen hoch.
„Auf jeden Fall führt uns dieser Weg zu dem, wovor alle geflüchtet sind", sagte Josef mit Blick auf die andere Seite der Tür. Sie war blutverschmiert.
„Die, die fliehen konnten." Sophie deutete über die Schulter. „Da hinten hats ein paar Leute erwischt. Ist kein schöner Anblick." Ihre Geistergestalt wirkte blasser als sonst.
Mit Unbehagen stießen die drei weiter in den Gang vor. Nach einigen Metern mündete er in einen Raum, der wie eine Sammelumkleide im Schwimmbad aussah. Spinde säumten die Wände zu beiden Seiten. Dazwischen standen zwei lange Bänke ohne Rückenlehne. Sarah schaute schnell weg. Übelkeit stieg in ihr auf. Ein Mann sah mit leerem Blick in ihre Richtung. Zahlreiche Einstiche auf seiner Brust hatten sein blaues Hemd rostrot verfärbt. Eine Frau lag mit dem Gesicht nach unten über den Bänken. Eine tiefe Wunde verunstaltete ihren Hals. Der Dritte lag auf dem Boden. Ein Arm war abgewinkelt und mehrfach gebrochen. Sarah hatte die drei erst einige Tage zuvor kennengelernt. Ihre Beine wurden weich, und sie stützte sich an der Wand ab.
„Alles okay?", fragte Sophie besorgt.
Sarah schüttelte den Kopf. „Nein. Gib mir einen Moment." Als ihr Gesicht wieder etwas Farbe angenommen hatte, schob sie sich stumm an den Toten vorbei.
Arthur schnüffelte an einem verdrehten Bein und trottete weiter.
„Dahinter ist ein Treppenhaus." Sarah deutete auf eine Tür am anderen Ende des Raumes. „Die Bibliothek ist ganz unten."
„Wie kannst du dir das in diesem Labyrinth hier merken?"
„Ich bin auf der Flucht vor Stefan eine Ewigkeit hier rumgeirrt. Da prägt man sich das ein oder andere Detail ein." Sie warf einen schnellen Blick zurück zu den Leichen. „Was meinst du, wie lange die schon tot sind?"
Sophie blickte prüfend auf den Hals der toten Frau. „Das Blut ist getrocknet. Vielleicht ein paar Stunden?"
„Hm, wo ihre dunklen Schattenspieler-Seelen wohl hin sind?" Mit Schaudern dachte Sarah an das Baby zurück, das sie vor einer solchen Raubseele gerettet hatte. Jetzt waren auf einen Schlag etliche dieser Kreaturen freigesetzt worden.
Ein markerschütternder Schrei ließ sie zusammenfahren.
„Das kam aus dem Nebenraum!" Sophie rannte los.
„Sophie! Halt!" Sarah wollte ihre Freundin zurückhalten, doch diese war in eine Wand eingetaucht und verschwunden. Arthur folgte ihr mit einem geschmeidigen Satz.
„Verdammt!", fluchte Josef. Er riss eine Tür rechts von ihnen auf. Toilettenkabinen zu beiden Seiten ließen einen schmalen Korridor frei, der an einer rostigen Stahltür endete. Sarah sah gerade noch, wie Sophie und Arthur dahinter verschwanden. Scheppernd warf Josef die Tür auf.
Sarah war ihm dicht auf den Fersen. Sie schlitterte in eine übergroße, beige gekachelte Gemeinschaftsdusche und blieb abrupt stehen.
Vor ihr spielte sich eine groteske Szene ab. Eine Frau trieb mit einem langen Messer ein junges Mädchen vor sich her, das verzweifelt auswich. Das Kind wurde immer weiter in die Ecke des Raumes zurückgedrängt. Erst auf den zweiten Blick erkannte Sarah Judith.
Und ihre Tochter Leonie.
Die blonden Locken des Mädchens hingen in zerzausten Strähnen herab. Das schmutzige Gesicht war übersäht mit Blutspritzern, die wie Sommersprossen auf Stirn und Nase klebten. Verbissen wich sie einem weiteren Hieb ihrer Mutter aus.
„Halt!", schrie Sarah und stürzte vor.
Judith fuhr mit einem ärgerlichen Knurren herum. Leonie nutzte die Chance und tauchte unter dem Arm der Frau weg.
„Ihr seid zu früh!", zischte Judith.
Sophie rannte an der Frau vorbei auf Leonie zu. Judiths Faust traf sie mitten auf die Brust und ließ sie keuchend zurücktaumeln.
Sarah stockte der Atem. Judith war eine Schattenspielerin. Sie sollte Geister nicht sehen und vor allem nicht stoppen können.
Leonies Mutter ließ scheppernd das Messer fallen. Sie schoss vor wie eine Schlange und packte Sophies Handgelenke. „Halt still, du Kröte!", presste sie hervor. Ihre Faust schimmerte grau.
Sophie schrie auf und wand sich unter dem Griff. Wo die Frau sie berührte, wurde ihr Arm durchsichtig. Judith verschlang die Energie des Geistermädchens wie ein Raubtier.
Josef und Arthur stürzten Sophie zu Hilfe.
Wütend stieß Judith das erblasste Geistermädchen weg. Sie packte den heranstürmenden Mann am Kragen und schleuderte ihn von sich. Mit einem dumpfen Geräusch schlug Josefs Hinterkopf gegen die Wand. Er sank bewusstlos zu Boden.
Arthur sprang. Judiths graue Faust erwischte ihn im Flug, und der Hund überschlug sich jaulend.
Endlich löste Sarah sich aus ihrer Starre. Sie riss den Arm hoch und schoss einen blauen Lichtspeer auf ihre Angreiferin ab. Die Frau hob die flache Hand wie einen Schild. Krachend schlug das Licht ein. Judith wurde herumgerissen und zu Boden geworfen. Hasserfüllt blickte sie zu der Seelenfängerin auf.
Sarahs Hand irrlichterte blau. „Was ist hier los?", stotterte sie. „Wieso tust du das?!"
Wortlos sprang Judith ihr entgegen. Sie prallte auf Sarah und presste sie an die Wand. Ihre Finger schlossen sich um den Hals der Seelenfängerin, während sie mit der Faust ausholte.
Verzweifelt versuchte Sarah, den Würgegriff zu lösen. Sterne tanzten vor ihren Augen. „Judith! Nein!", würgte sie hervor. „Nicht!"
Im nächsten Moment schmetterte die graue Faust mit der Wucht eines Vorschlaghammers gegen Sarahs Brust. Der Seelenfängerin wurde die Luft aus den Lungen gepresst. Schneidender Tod versengte ihre Haut und fraß sich in die Tiefe. Sarah rang nach Atem und schrie aus Leibeskräften. Ihr Schrei verstummte abrupt, als Judith ihr kurz darauf mit beiden Händen die Kehle zudrückte.
„Nein!" Sophie schnellte vor und trat nach den Armen der Frau. Ihr Fuß fuhr wirkungslos durch ihre Gegnerin hindurch. „Sarah! Das ist nicht mehr Judith! Wehr dich endlich!"
Sarah zerrte vergeblich an den Händen, die ihren Hals quetschten. Heißes Blut pulsierte in ihren Ohren, und ihr wurde schwindelig. „Nicht!", brachte sie noch einmal hervor. Ihr fehlte die Luft für das, was sie eigentlich schreien wollte: Ich will dir nicht weh tun!
Judith verstärkte nochmals den Druck. „Werd endlich ohnmächtig, du Miststück!"
„Verdammt, grill das Ding!"
Sophies Worte drangen in Sarahs umnebelten Verstand. Endlich wurde ihr klar, dass sie sterben würde, wenn sie nichts gegen Judith unternahm. Durch Übelkeit und Schmerz hindurch streckte sie ihre geistigen Fühler aus. Sofort hatte sie die Quelle erspürt, die Judiths Körper unter ihren Willen zwang. Sie saß im Nacken der Frau. Wie eine Schlange hatte sich dort eine fremde Macht festgebissen und die Kontrolle über Nerven und Muskeln übernommen.
Es tut mir so leid, Judith! Sarah jagte einen gleißenden Lichtspeer in den Hals ihrer Gegnerin. Der Strahl fraß sich mühelos durch Fleisch und Knochen, bis er auf etwas Hartes traf. Augenblicklich ließ der Druck auf Sarahs Hals nach. Die Seelenfängerin erhielt die Lichtlanze aufrecht, gab mehr Energie hinein und bündelte ihre Kraft auf den Punkt, an dem der fremde Wille ansetzte. Das Klirren berstenden Kristalls ertönte. Judiths spitzer Schrei und die Verbindung zu der unbekannten Macht brachen gleichzeitig abrupt ab.
Judith sackte in sich zusammen. Ihre Arme und Beine zuckten. Einen Augenblick später rührte sie sich nicht mehr.
Sarah keuchte und rang nach Luft. Entsetzt starrte sie auf den leblosen Körper zu ihren Füßen. Judiths Rückenmark hatte Sarah sorgfältig ausgespart, um sie nicht zu gefährden. Der Strahl hatte ausschließlich das kristalline Objekt im Nacken zerstört. Was immer dort saß, hatte einen tödlichen Nervenschock ausgelöst. Judiths Mund war weit aufgerissen, ihre toten Augen ungläubig zur Decke gerichtet. Das Flackern der grauen Hand, mit der sie die Seelenfängerin angegriffen hatte, war erloschen.
„Oh Gott! Judith! Das wollte ich nicht!", krächzte sie. Ihre Kehle brannte feurig, jedes Wort tat weh.
Sophie stürzte heran. „Bist du in Ordnung?!"
„Ich habe sie getötet!", brachte Sarah hervor. Schmerz pulsierte hinter ihren Schläfen. Der Angriff hatte einiges an Kraft gekostet.
„Du hattest keine Wahl", stellte Sophie klar. „Hättest du es nicht getan, würdest du jetzt da liegen."
Die Seelenfängerin nickte. Das reichte nicht, um ihr Gewissen zu beruhigen, erst recht nicht, um die Bilder der letzten Sekunden zu vertreiben. Sie waren in bester Gesellschaft mit etlichen anderen Szenen, die sich nachts in ihre Träume stahlen und sie schreiend aus dem Schlaf rissen. Die Hände auf die Oberschenkel gestützt, versuchte Sarah, zu Atem zu kommen.
Josef rührte sich stöhnend. Er hielt sich den Kopf und würgte.
„Alles okay?"
„Ich denke schon", antwortete er gequält.
„Was ist mit dir, Sophie?" Besorgt schaute Sarah auf die Handgelenke, an denen Judith das Geistermädchen gepackt hatte. Sophie hielt sie ihrer Freundin zur Begutachtung hin. „Mir geht es gut. Aber wenn ihr nicht eingegriffen hättet, hätte die mich ausgesaugt!" Sie schüttelte sich bei dem Gedanken. „Was zum Henker war das?!" Sie blickte auf die am Boden liegende Frau. „Ist sie zu einer Art Vampir geworden?"
„Wir werden es herausfinden!", versprach Sarah.
Erst jetzt bemerkte Sarah Leonie. Sie stand stocksteif in einer Ecke und schaute mit weit aufgerissenen Augen auf ihre Mutter.
„Oh Fuck!", entfuhr es Sophie. „Leonie!"
„Sie kann dich nicht hören. Du bist ein Geist", erinnerte Sarah ihre Freundin und richtete sich mühsam auf.
„Ach, Doppel-Fuck!", fluchte Sophie.
„Mama!" Leonie rannte los, wich dem Arm der Seelenfängerin aus und warf sich schluchzend auf die Leiche. „Mama! Sag doch was!" Sie schüttelte ihre Mutter.
Sarah bemerkte die Falle zu spät. Was auch immer Judith unter Kontrolle gebracht hatte, ein Teil der Kraft war im Körper verblieben und wurde nun gezielt mit einem Schlag freigesetzt. Als hätte die Energie einen eigenen Willen, langte sie nach einer weiteren Kraftquelle, die sich tief unter ihnen befand. Eisige Kälte zog sich über der Leiche zusammen und kondensierte in deren Brust. Die Seelenfängerin rannte los.
Gleichzeitig schoss Sophie vor. Die Krähe erreichte das Mädchen als Erste, fasste es an der Schulter, riss es herum und von seiner Mutter herunter. Im gleichen Augenblick stob eine Kältewelle aus der Leiche. Die Arme zuckten, als alles Flüssige darin schlagartig zu Eis erstarrte. Klingen aus gefrorenem Blut barsten aus ihrer Brust. Die Schneiden verfehlten die Kehle des Mädchens um Haaresbreite.
Leonie rollte ab, sah sich verwirrt um und erblasste. Auf dem Rücken liegend krabbelte sie von der Toten weg.
Sophie schaute gebannt auf ihre Hand, mit der sie Leonie von ihrer Mutter gezogen hatte. „Wie habe ich das gemacht?", stotterte sie.
Sarahs Kopf pochte bestialisch. Schlieren zogen vor ihren Augen her, ein Kloß im Hals ließ sie würgen. Sophie hatte ihr mit der Rettungsaktion auf einen Schlag eine beachtliche Menge Energie geraubt, und die Seelenfängerin zahlte nun den Preis dafür – in Form einer höllischen Migräne. Wie ihre Geisterfreundin es geschafft hatte, das Mädchen zu ergreifen, war ein Rätsel, das sie später lösen musste. Sarah schob den Gedanken für den Moment beiseite. Es gab ein weitaus dringlicheres Problem.
Leonie blickte entsetzt auf den toten Körper ihrer Mutter. Weißer Raureif bildete einen scharfen Kontrast zu den Klingen aus rotem Blut, die aus der Brust ragten. Das Mädchen öffnete den Mund, aber es brachte keinen Ton heraus. Verwirrung, Panik und Schmerz zeichneten sich auf seinem Gesicht ab.
Sarah schluckte die Übelkeit herunter, lief zu dem am Boden kauernden Mädchen und schloss es in die Arme. Sie fühlte das Entsetzen, als sie den stocksteifen, dürren Körper an sich drückte. Leonies Verstand war kurz davor zu brechen. Er suchte verzweifelt nach einem Ausweg aus all dem Wahnsinn.
Sophie ging neben den beiden in die Hocke. „Alles wird gut! Lass es zu", flüsterte sie.
Sarah wusste für einen Moment nicht, wovon Sophie sprach und ob die Worte Leonie oder ihr selbst galten. Dann spürte sie es auch. Plötzlich prickelte ihr Körper. Das Mädchen hatte seinen Notanker gefunden: Sarah. Leonies Geist streckte sich nach der Seelenfängerin und schlug eine Brücke zu ihr. Ohne weiter nachzudenken, öffnete Sarah sich und keuchte kurz darauf auf. Verzweiflung und Schmerz überrannten sie, spülten über sie hinweg, zerrten an ihrer Seele – und ebbten ab.
Sarah sah den Terror in Leonies Augen verglühen. Der drohende Wahnsinn verbrannte. Die Panik verdampfte in der Hitze der sich festigenden Bindung. Leonies Geist schloss die Szenen der letzten Stunden in einen schützenden Kokon ein. Die Klingen der Erinnerung, scharf genug, um den Verstand zu zerschneiden, wurden davon umsponnen und unschädlich gemacht. Die beißenden Bilder verwischten wie bei einem Aquarell. Leonie band ihre Seele an Sarah, um weiterleben zu können. Innerhalb eines Wimpernschlages war das Mädchen zu ihrer Krähe geworden.
Leonie blickte auf. „Was ... was war das?" Ihre Stimme klang eher neugierig als verängstigt.
„Das ist eine lange Geschichte", meinte Sarah und nahm das Mädchen fester in den Arm. „Ich bin Sarah. Weißt du noch? Deine Eltern haben mir gegen Stefan geholfen." Zwar war sie in den letzten Tagen viel mit Aron und Judith unterwegs gewesen, deren Tochter, die keine der dunklen Schattenspieler-Seelen in sich trug, hatte sie jedoch kaum zu Gesicht bekommen.
Leonie nickte stumm.
„Wie geht es dir?" Sarah konnte sich vor Müdigkeit kaum auf den Beinen halten. Sie hatte sich verausgabt und sehnte sich nach einem Bett. Und Essen! Ihr Körper forderte die verbrauchte Energie zurück. Doch all das musste warten. Dies hier war wichtiger. Viel wichtiger.
„Ich weiß nicht." Das Mädchen schaute auf. „Mama ..." Sie löste sich aus Sarahs Umarmung, ging zu ihrer Mutter hinüber, kniete sich neben die Leiche und streichelte über die Wange des nun friedlichen Gesichts. „Wer hat dir das angetan?", fragte sie kaum hörbar. „Wer hat uns das angetan?" Leonie straffte die Schultern. Sie strich das blutverklebte Haar ihrer Mutter beiseite und küsste sie auf die Stirn. „Irgendwer ist daran schuld, dass du tot bist, und den finde ich und sorge dafür, dass es ihm leidtut. Das schwöre ich dir!" Sie drehte sich zu Sarah herum.
„Es ...", begann sie und brach ab. Ihre Augen weiteten sich. „Wer ist das?!" Entsetzt blickte sie Sophie an. „Scheiße! Ist das ein Geist?! Moment. Ich kenne dich! Du warst doch auch bei uns in der Villa! Aber es hieß, du wärst tot – oh."
„Hi, ich bin Sophie", stellte sich das Geistermädchen vor, schlenderte näher und ging vor Leonie in die Hocke. „Du hast recht. Ich bin mit Sarah zusammen bei euch gewesen. Stefan hat mich getötet, und jetzt bin ich ein Geist. Du kannst mich sehen, weil du dich an Sarah gebunden hast."
„Was? Häh?", stotterte Leonie.
„Später", unterbrach Sarah. Sie konnte die Augen kaum offenhalten und blinzelte gegen den tobenden Kopfschmerz an. „Hast du Angst vor Sophie? Weil sie ein Geist ist?"
„Äh, nein", stellte Leonie fest. Sie sah aus, als wäre sie selbst überrascht von der Tatsache. Plötzlich lachte das Mädchen auf. „Und wer ist das?"
Arthur tollte heran. Er war in seine Welpenform zurückgekehrt. Übermütig lief er auf Leonie, sein neues Rudelmitglied, zu. Er sprang kläffend an ihr hoch und stupste sie mit der Nase ins Gesicht. Leonie kicherte und wandte sich endgültig von ihrer toten Mutter ab. Sie griff nach dem kleinen Tier. „Hey, ich greife ja durch ihn durch. Und trotzdem fühle ich sein ..."
„Morphisches Geisterfeld." Alle drehten sich zu Josef um, der an der Wand lehnte und sich den Kopf hielt. „So nennt man das Phänomen, dass dein Körper Geister fühlt, obwohl du sie nicht berühren kannst. Ich bin Josef."
„Häh? Mor- was?" Leonie schaute verwirrt zu dem Mann auf.
„Ist egal, wir müssen hier raus", bestimmte Sophie.
„Nein! Das ist unsere einzige Chance, in die Bibliothek zu kommen!", widersprach Josef.
Leonie zuckte zusammen.
„Josef hat recht", entschied Sarah. „Gibt es noch mehr Menschen hier unten, die so – verändert sind, wie deine Mutter?", erkundigte sie sich vorsichtig bei Leonie.
Das Mädchen schüttelte den Kopf. „Nein. Aber lasst uns von hier verschwinden. In der verbotenen Bibliothek hat alles angefangen."
„Was hat dort angefangen?"
„Dahin haben die weiße Frau und dieser Mann meine Mutter mitgenommen, bevor sie ... nicht mehr meine Mutter war."
„Was waren das für Leute? Kanntest du sie?", fragte Sophie sanft, da das Mädchen nicht weitersprach.
„Nein. Ich hab die noch nie gesehen. Diese Frau war krass blass und hatte so weißes, hochgestecktes Haar, obwohl die gar nicht so alt war. Dazu hatte die ein weißes Kleid an. So ein einfaches, wie Luxus-Ladys das tragen. Die ist rumgelaufen, als wenn ihr unser Bunker gehört. Der Mann, den sie dabei hatte, war dagegen total abgerissen. Der hatte so eine ungesunde grau-blaue Gesichtsfarbe und sah echt krank aus."
Josef hatte bei Leonies Beschreibung scharf die Luft eingesogen. „Die Weiße Dame!", keuchte er. „Ich habe gedacht, dass sie nur eine Legende ist."
Sophie hob eine Augenbraue. „Was für eine Weiße Dame? Du hast nie etwas von der erzählt."
„Klären wir später", unterbrach Sarah. „Was ist dann passiert?"
Leonie rieb sich die Arme. „Die drei sind durch den Bunker gelaufen. Mama hat gar nicht geantwortet, als ich sie gefragt habe, was denn los ist. Der Mann hat etwas mit den Ausgängen gemacht, sodass sie eiskalt waren und mit Frost überzogen und nicht mehr aufgingen. Und dann hat Mama ... die hat einfach einen nach dem anderen umgebracht!" Leonie atmete mehrmals schnell ein und aus. „Auch Papa!"
Sarah nahm das Mädchen in den Arm, bis es sich etwas beruhigt hatte. „Haben die sich denn nicht gewehrt?"
„Sie konnten nicht." Jetzt liefen doch Tränen Leonies Wange hinab. Dass sie zu Sarahs Krähe geworden war, mochte ihren Verstand vor dem Brechen bewahren. Die Gefühle unterdrückte es jedoch nicht. „Klar haben sie es versucht. Aber der Mann hat einfach den Arm gehoben und dann waren die Waffen eiskalt und haben nicht mehr funktioniert. Wir sind alle weggelaufen, aber wenn er wen gefunden hat, hat er die Füße eingefroren, und sie sind hingefallen. Mama hat dann mit dem Messer ..." Leonie sprach nicht weiter. Das brauchte sie auch nicht, Sarah hatte die Leichen im Vorraum gesehen. „Was war mit dieser Weißen Dame? Hat die auch etwas gemacht?"
„Die ist hinterhergegangen, als wenn die auf einem Spaziergang ist. Sie hatte irgendwas in der Hand, mit dem sie sich über die Toten gebeugt hat, ich konnte aber nicht sehen, was das war."
„Wie hast du es geschafft, am Leben zu bleiben?", wollte Sophie wissen.
„Ich hab mich versteckt. Was dann passiert ist, habe ich nicht genau mitbekommen. Es hat eine Explosion gegeben. Die hat den Mann erwischt – ich hab gesehen, was von ihm übrig ist. Danach ist es da unten überall eiskalt geworden."
„Und die Weiße Dame?", forschte Josef nach.
Leonie zuckte die Schultern. „Keine Ahnung. Die war einfach irgendwann weg. Die Ausgänge waren nicht ewig eingefroren. Die paar von uns, die übrig waren, sind dann abgehauen."
„Warum bist du geblieben?"
„Ich ... ich dachte, dass Mama vielleicht wieder normal wird." Leonie starrte auf die Leiche ihrer Mutter.
Sarah drückte das Mädchen fester an sich. „Hast du gesehen, was sie in der Bibliothek mit deiner Mutter gemacht haben, das sie so verändert hat?"
Leonie schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht mal, wie sie in die Bibliothek gekommen sind. Stefan hatte sie ja versiegelt, und keiner konnte rein."
Sarah wiegte Leonie noch ein wenig in ihren Armen. Als sie sicher war, dass das Mädchen für den Moment stabil war, erhob sie sich zögerlich. Das Pochen zwischen ihren Schläfen ließ langsam nach, aber ihr war schwindelig. Nachdem die Welt aufgehört hatte, sich zu drehen, ging sie zu Judiths Leiche hinüber. Sie versuchte, die starren Augen zu ignorieren und griff in den Nacken der Frau, wo sie das fremde Bewusstsein gespürt hatte. Eine kristallene Spitze ragte aus der Haut. Sarah fuhr mit dem Finger darüber und zuckte zurück. Sie war messerscharf geschliffen. Ein Blutstropfen erschien auf ihrer Fingerkuppe. Sie zog ein Taschentuch aus der Hose und griff damit den Splitter. Die Nadel steckte fest. Vermutlich klemmte sie zwischen den Halswirbeln. Nur mit Mühe gelang es der Seelenfängerin, einen gut drei Zentimeter langen, nadelförmigen Kristall zu lösen. Sarah betrachtete ihn näher. „Das ist ein Seelenstein!"
Er war in der Mitte geborsten. Was auch immer er beherbergt hatte, war verschwunden.
Josef trat näher und rückte seine Brille zurecht. „Faszinierend. So einen wie den habe ich noch nie gesehen." Sein Blick wanderte zwischen Judith und dem Kristall hin und her. „Ein weiteres Rätsel."
Weit entfernt schlug eine Tür gegen die Wand und ließ die vier hochschrecken. Eine Stimme bellte Befehle durch die leeren Korridore.
„Polizei", mutmaßte Sophie. „Wir sollten echt abhauen!"
„Nein! Wir müssen in diese Bibliothek!", beharrte Josef.
Sarah sah die Entschlossenheit in Josefs Gesicht. „Die Bibliothek", entschied sie und drängte die Erschöpfung zurück. Sophie sah besorgt zu ihr herüber, doch sie winkte ab. „Kannst du uns führen?", fragte sie Leonie.
„Wollt ihr das echt?" Das Mädchen trat unbehaglich von einem Bein aufs andere. Es hatte die Arme um den Körper geschlungen. „Da unten ist es rattenkalt!"
„Wir machen schnell", versprach Sarah.
Leonie nickte und lief los. Die anderen folgten ihr dichtauf.
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